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Singing Garden
Experimentelle Konzertinstallation
Jeremias Schwarzer
Claudia Doderer
Akademie für Alte Musik Berlin
Das heute bekannteste Beispiel für barocke Programm-Musik sind die "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi. Aber auch in vielen weiteren Werken Vivaldis und seiner Komponistenkollegen spielte die Natur eine große Rolle: Bereits in den frühesten Opern gab es Szenen wie Stürme und Schiffsuntergänge, die musikalisch nach einer entsprechend farbigen Umsetzung verlangten. Auch in der Instrumentalmusik konnten die Komponisten anhand von Themen wie "Unwetter", "Jahreszeiten", "Nacht und Träume" usw. ihre Fähigkeit demonstrieren, die Umwelt ebenso naturgetreu wie die barocken Malerkollegen darzustellen.
Die Abbildung (und ebenso auch die "Erfindung" von Natur) hat sich aber nicht nur in der europäischen Musikgeschichte zu einem Topos entwickelt, der epochenübergreifend die Erfindungskraft der Komponisten anregte: Auch in der kulturellen Tradition Japans, die sich über mehrere Jahrhunderte praktisch ohne äußere Einflüsse entwickelte, spielt die Beziehung zur Natur eine zentrale Rolle. Neben Kalligraphie und Dichtung (die japanischen Haikus sind ohne Naturbezug gar nicht denkbar) bildet hier vor allem die Musik immer wieder Naturphänomene ab oder erzeugt eine bestimmte Atmosphäre für ein Theaterstück, die ganz wesentlich von der Jahreszeit, dem Licht, dem Blumenduft etc. bestimmt wird.
Toshio Hosokawa, der wohl bedeutendste lebende japanische Komponist, nennt die Beziehung zur Natur als bestimmendes Element für sein musikalisches Schaffen und reiht sich damit in die Jahrhunderte lange japanische Kunst- und Musiktradition ein, die er (auch durch seine westliche kompositorische Ausbildung) in eine bewusste Verbindung zur europäischen Musikgeschichte bringt.
In "Singing Garden" begegnen sich Naturschilderungen aus Fernost und West, Tradition und Moderne: Instrumentalwerken von Toshio Hosokawa werden Concerti von Antonio Vivaldi gegenübergestellt. Hosokawa entwickelt in seinem neuen Werk einen akustischen Rahmen für die barocke Musik. Er selbst beschreibt sein Konzept als das Anlegen eines Gartens, der Vivaldis Concerti auf natürliche Weise umschließt.
Die verschiedenen Musikergruppen (Bläsersolisten, Streicher, Continuogruppe) sitzen installativ inmitten von unterschiedlichen Lichtobjekten auf der Bühne verteilt; die Aufmerksamkeit des Zuhörers wird durch ein differenziertes Beleuchtungskonzept gelenkt, das den ewigen Kreislauf von Nacht zu Nacht beschreibt – in Dunkelheit beginnend und schließlich in geheimnisvoller, düsterer Nacht endend, wie sie in Vivaldis Concerto "La Notte"
ihren Ausdruck findet.
Für die visuelle Umsetzung wurde die renommierte Raumkünstlerin Claudia Doderer gewonnen. Deren künstlerische Herangehensweise steht der organischen Entwick-lung in Hosokawas Musik nahe. Am Anfang steht die Suche nach der Essenz des jeweiligen Werkes. Im ersten Schritt führt diese Suche zu einer größtmöglichen Reduktion, zum Aufspüren einer räumlichen Keimzelle, die sich nächsten Schritt wieder völlig neu entfalten kann. Eine einzelne Fläche kann durch unterschiedliche Anordnungen im vor-gefundenen Raum und durch einige wenige Licht- oder Perspektivwechsel eine umfassende Veränderung in der Wahrnehmung erfahren. Diese Verwandlungsprozesse leiten sich dabei immer konsequent aus der musikalischen Struktur ab. Daher arbeitet Claudia Doderer schon in der Konzeptionsphase eng mit dem Komponisten und dem international gefeierten Flötisten Jeremias Schwarzer zusammen, auf den die Idee zu diesem Projekt maßgeblich zurückgeht.
In den Projektprozess von der Idee bis zur Realisierung sind auch die Musiker der weltweit renommierten Akademie für Alte Musik Berlin involviert. In mehreren Workshops werden sie die Idee des musikalischen Ost-West-Dialogs vertiefen und beide Stile zu einem neuen Werk verschmelzen.
Mit der Konzeption dieses etwa 75-minütigen Programms entsteht auf diese Weise ein Gesamtkunstwerk voller Intensität: In der Verbindung von zeitgenössischer japanischer mit barocker italienischer Musik wird das abstrakte Bild eines Gartens nachgezeichnet von den frühen Morgenstunden bis zum späten Abend. Die Konzertinstallation schafft einen optisch-akustischen Erfahrungsraum, der ein vertiefendes, meditatives Hörerlebnis ermöglicht.
Eine Produktion des RADIALSYSTEM V in Zusammenarbeit mit den Asien-Pazifik-Wochen 2011, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Die Asien-Pazifik-Wochen werden unterstützt durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.
Produktionsmanagement und Touring: Uhde & Harckensee MusikManagement
Idee und Konzeption Jeremias Schwarzer und Folkert Uhde
Bühne und Licht Claudia Doderer
Produktionsleitung Ilka Seifert
Komposition für barockes Instrumentarium Toshio Hosokawa
zu Antonio Vivaldi: Vier Konzerte aus Concerti, op. 10 (Fassung für Bläser und Streicher, rekonstruiert)
(Uraufführung)
Vorstellungen
Premiere: 08. Sept 2011 RADIALSYSTEM V 20H
Nächste Vorstellungen:
Heidelberg 25. März 2012
Brüssel 07. Sept 2012
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Trailer
Proben I
Proben II
> Kontakt
Kirsten Junglas
+49 (0)30 6956607-13
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